Zukunftsdimension Nachhaltigkeit
»Wie alles begonnen hat?« Die Frage ist bei einem Thema wie Nachhaltigkeit ebenso wenig zu beantworten, wie die Frage danach, ob die Henne oder das Ei zuerst da war. Das ist aber eigentlich auch egal. Zuallerletzt sollte das Thema eine Domäne von Historikern werden. Denn die Grundlage der Auseinandersetzung mit den Dimensionen der Nachhaltigkeit ist die der Zukunft. Sicher, eine Revision ist immer dann richtig und wichtig, wenn man bereit ist aus Fehlern zu lernen...
Doch wie steht es mit der Nachhaltigkeit, wenn wir den Blick auf den Kulturbetrieb richten? Eine erste Beschäftigung mit dem Thema ist der Evangelischen Akademie Tutzing 2001 zu verdanken, die bei ihrer Tagung »Ästhetik der Nachhaltigkeit« das sogenannte Tutzinger Manifest verabschiedete. Wenn man glaubt, dies sei der Startschuss für eine „nachhaltige“ wissenschaftliche Publikationsflut gewesen, irrt. Nur Weniges folgte, wie von der Kulturpolitischen Gesellschaft oder Armin Klein. Kein Thema für die Kulturmanagement-Forschung?
Viele werden behaupten, dass den Kulturbetrieb zu erhalten und in die Zukunft zu tragen, aufgrund seiner wichtigen Funktion für die Wissens- und Wertevermittlung und des Erhalts von Kulturerbe, die eigentliche Aufgabe des Kulturbetriebs für Nachhaltigkeit sei. Das ist richtig. Doch Nachhaltigkeit bedeutet so vieles mehr. Und hier wird der Kulturbetrieb in Zukunft aufrüsten müssen: Zum einen die Hardware. Der Sanierungsbedarf bei deutschen Kultureinrichtungen wird in den nächsten Jahren immens steigen und die Aufgaben, wie auf Aspekte der Energieeffizienz zu achten, bedürfen einer hohen, nicht gänzlich outsourcebaren Fachkompetenz. Bei Neubauten ohnehin. Dann der ökonomische Erhalt. Hier wird auf allen Ebenen des Kulturbetriebs bereits seit Jahrzehnten umgestellt und nach einem zukunftsträchtigen Konzept gesucht. Es wird sich zeigen, dass es keine abschließende Zauberformel für ein gelungenes Kulturmanagement gibt. Flexibel und kreativ auf die Ansprüche der Zukunft reagieren zu können und seine Strategien dementsprechend auszurichten, wird die wichtigste Kompetenz sein. Und letztlich die Dramaturgie der Vermittlung. Sich dem Thema zu nähern, künstlerisch auseinanderzusetzen, den Mut haben unbequeme Positionen einzunehmen und einmal auf Van Gogh & Co. zu verzichten, das wird eine Aufgabe sein, die sich der Kulturbetrieb stellen muss.
Nur schleppend, aber wenn, dann sehr engagiert, wird dem Thema in unseren Kulturtempeln Raum gegeben. Wieder zeigen - wie so oft - die institutionsunabhängigen Initiativen, wohin die Reise gehen kann. Erstaunlich ist das späte Ankommen des Themas dahingehend, da die Kunst selbst - als Dokumentar und Archivar gesellschaftlicher Entwicklungen - sich sehr früh mit Themen der Nachhaltigkeit auseinander gesetzt hat, ob ökologisch, ökonomisch oder sozial. Als berühmter Stellvertreter für unzählige Projekte sei die 7000 Eichen-Aktion von Joseph Beuys anlässlich der documenta 7 im Jahr 1982 genannt.
Wir möchten uns an dieser Stelle bei unseren Mitarbeiterinnen der Schweizer Redaktion in Winterthur, vor allem Birgitta Borghoff, bedanken, die zusammen mit der Nachhaltigkeitsexpertin Annett Baumast das redaktionelle Konzept für den Themenschwerpunkt erstellt haben. Dank ihres Kenntnisreichtums im Bereich der Nachhaltigkeit können wir Ihnen wunderbare Projekte aus allen Sparten in Deutschland, der Schweiz und in Österreich vorstellen. Die Ideen, das Engagement und die Professionalität mit der hier gearbeitet wird, zeigen auf, welche wichtige Vermittlerrolle Kunst und zukommt und in Zukunft vermehrt zukommen wird. Denn die suchen nach Reflexionsflächen für ihre vielfältigen Fragen, die gerade bei dem Facettenreichtum des Themas so individuell wie die Bedürfnisse jedes Einzelnen sind.
Download: http://www.kulturmanagement.net/downloads/magazin/km1202.pdf
Quelle: Kulturmanagement Network




